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In verschiedensten Kulturen gab es und gibt es religiöse Vorstellungen, nach denen böse Geister, Dämonen oder Teufel von Personen Besitz ergreifen und deren Körper und Geist für ihr eigenes Wirken missbrauchen können. Die Verhaltensweisen und Handlungen der als Besessene geltenden Personen werden dann als Ausdruck der in ihnen wütenden Macht beurteilt und oft mit brutalen Austreibungsritualen bekämpft. Die Betroffenen selbst werden dann zwar nicht für ihr Verhalten zur Verantwortung gezogen, aber als Opfer der vermeintlich heilenden Rituale mit schlimmen Foltern traktiert.[1]


In der von Joanne K. Rowling geschaffenen Magischen Welt gibt es eine schwarz-magische Fähigkeit, von anderen Lebewesen Besitz zu ergreifen. Wie die folgenden Beispiele zeigen kann die Besessenheit für ein Opfer bedeuten

  • dass es die eigene Lebenskraft an den Besitzenden verliert
  • dass es irgendwelche Dinge ausführt ohne sich daran erinnern zu können
  • dass in der Erinnerung zeitliche Lücken sind
  • dass eine übermächtige Kontrollinstanz ständig präsent ist
  • dass das eigene Selbstgefühl und Selbstbewusstsein immer kleiner wird

Bekannte Beispiele

  • Voldemort nutzt diese Fähigkeit, während er keinen eigenen Körper hat, indem er sich im Körper von Schlangen oder anderen Tieren vorübergehend einnistet und solange von deren Lebenskraft zehrt, bis diese verbraucht ist (HP IV/33).
  • Voldemort ergreift schließlich Besitz von Quirinus Quirrells Körper, weil dieser seine Befehle (z.B. bei Gringotts einzubrechen und den Stein der Weisen zu stehlen) nicht zufriedenstellend erledigt. Augenscheinlich beaufsichtigt Voldemort den Besessenen nur, lässt ihn aber weiterhin eigenständig handeln (gelegentlich widerspricht der Besessene Voldemorts Befehlen oder fragt ihn, was er jetzt tun solle). Statt ausschließlich von Quirrells Lebenskraft zu zehren, befiehlt Voldemort, Quirrell solle das Leben seines Herrn und Besitzers mit Einhornblut erhalten. Voldemort verlässt den Besessenen, als dessen Körper für seine Zwecke unbrauchbar geworden ist (HP I/15).
  • Der 16jährige Tom Riddle, der magisch in einem von Voldemort als Horkrux beseelten Tagebuch konserviert war, konnte von Ginny Weasley Besitz ergreifen. Ginny vertraute freiwillig viel von sich diesem Tagebuch und damit Voldemorts Seele an und gab ihm auf diese Weise einiges von ihrer Lebenskraft ab. Von ihr selbst gestärkt konnte sich Voldemort/Tom Riddle ihrer schließlich bemächtigen und sie Dinge als Erbe von Slytherin tun lassen, von denen sie selbst nichts mitbekam. Als Voldemort/Tom Riddle ihre Handlungsfähigkeit erfolgreich genutzt hatte, sollte der Rest ihrer Lebenskraft für Toms Wiedererstarken verbraucht werden. Nur Harrys Eingreifen verhinderte, dass sie selbst und nicht Tom überlebte (HP II/17), (HP V/23).
  • In HP V/36 ergreift Voldemort kurzzeitig Besitz von Harrys Körper. Harrys eigenes Bewusstsein geht dann ganz in Voldemorts Wunsch auf, sich Harrys d.h. seinen eigenen Tod zu wünschen und er fleht Albus Dumbledore entsprechend an, ihn umzubringen.[2] Ohne es zu wollen befreit sich Harry aber selbst durch seine tröstliche eigene gedankliche Fortsetzung von Voldemorts eingegebenen Todeswunsch, dass er nach seinem Tod bei Sirius sein werde. Dass Harrys Inneres von Liebe "verseucht" ist, kann Voldemort nicht aushalten und flieht aus dem besetzten Körper.

Besessenheit und Horkruxe

Zwar steht Voldemorts Fähigkeit, von anderen Lebewesen Besitz zu ergreifen, sehr oft im Zusammenhang mit seinen Horkruxen. Da die Besessenheit aber auch von Personen angesprochen wird, die von Horkruxen nichts wissen, scheint es diese Möglichkeit in der Magischen Welt auch unabhängig davon zu geben.

Als Harry den Angriff auf Arthur Weasley in HP V/21 aus Naginis Perspektive erlebte, musste Voldemort nicht erst von seiner Schlange besitz ergreifen, sondern war bereits als lebendes Seelenteil in ihr. Andererseits zeigt sich in HP VII/17, am Beispiel der Besessenheit von Bathilda Bagshots Körper durch Nagini, dass Voldemorts magische Fähigkeit, von anderen Besitz zu ergreifen, auch in all seinen als Horkruxe ausgelagerten Seelenteilen steckt.


Anmerkungen

  1. Im Gegensatz zu den erwähnten brutalen "Teufelsaustreibungen" wird bei Rowling stets die Besessenheit eines Menschen dadurch beendet, dass nicht das Opfer selbst gequält, sondern das "Böse" besiegt wird, das von ihm Besitz ergriffen hat.
  2. Anders als beim Imperiusfluch handelt ein besessenes Opfer aus eigenem Antrieb ganz im Sinne der "bösen" Macht, die sich seiner bemächtigt hat. Es kann deshalb auch nicht aus eigener Willenskraft die fremdgesteuerten Handlungsaufträge verweigern.


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